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Titel BIGNIK
Claim BIGNIK

Interview

„Es geht nicht um die Wurst“
Frank und Patrik Riklin im Interview
mit Christiane Hoffmans, 2017

 

Christiane Hoffmans: Was genau verbirgt sich hinter BIGNIK?

 

Frank Riklin: Die Geschäftsstelle der REGIO Appenzell AR-St. Gallen-Bodensee hat uns beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, das die Gemeinden der Region näher zusammenrücken lässt. Daraus entwickelten wir die Idee, ein riesiges Picknick-Tuch für die ganze Region zu schaffen. Die Maxime lautet: pro Einwohnerin und Einwohner ein Tuch. Derzeit ist das Tuch 1,8 Hektar groß. Das entspricht etwa sechs Prozent unserer BIGNIK-Vision. Einmal im Jahr wird das Tuch gemeinsam mit der Bevölkerung ausgelegt.

 

Christiane Hoffmans: Ist die Idee nicht ein bisschen wahnsinnig? Allein in St. Gallen leben 80.000 Menschen.

 

Patrik Riklin: BIGNIK ist eine Langzeitperformance, ein partizipativer Prozess, in den alle Menschen der Region St. Gallen involviert sind. Wenn wir nach und nach pro Einwohner ein Tuch sammeln, dann werden es am Ende exakt 252.140 Tücher sein. Wenn wir diese zusammenfügen, entspricht das etwa einer Fläche von über 100 Fußballfeldern. Das mag monströs klingen, aber als Künstler denken wir in Dekaden, nicht wie Politiker in Vierjahresrhythmen. Wir realisieren BIGNIK nicht von heute auf morgen, sondern über einen langen Zeitraum. Die offene Dauer des Projekts ist für uns einer der Reizpunkte.

 

Christiane Hoffmans: Wie gehen Sie vor?

 

Patrik Riklin: BIGNIK schöpft aus den lokalen Ressourcen. Wir sprechen die Menschen direkt an, gehen von Haus zu Haus und klingeln an den Türen. Neo-Glöggli-Spiel nennen wir das, Klingelstreich würde man in Deutschland sagen. Natürlich laufen wir dann nicht weg, wie bei dem Kinderspiel, sondern bleiben stehen und fragen rhetorisch: „Sie haben keine Tücher für uns, oder?“ Wir erzählen von unserer Vision. Sofort entsteht eine Dynamik. Meist gehen wir dann gemeinsam mit den Anwohnenden auf die Dachböden, in die Keller und suchen dort nach alten Tüchern, Vorhängen und Bettlaken. Mittlerweile können wir die Stoffe schon „erriechen“ – wie zwei Hunde.

 

Christiane Hoffmans: Warum haben Sie das Tuch für Ihr Konzept gewählt?

 

Frank Riklin: Die Inspiration dazu gab uns die Großmutter, die das Nachtessen oft auf einem rot-weiß karierten Tischtuch servierte. Dieses Tuch interpretieren wir nun neu und setzen es in die Landschaft. In unserer Region hat das Textile eine tiefe Verwurzelung, denn schon seit dem Mittelalter werden hier Stoffe und Spitzen produziert. Doch die blühenden Zeiten dieser Wirtschaft sind lange vorbei. Nach dem Ersten Weltkrieg verlagerte sich die Textilindustrie in andere Länder. Das war ein gravierender Einschnitt. Aber in vielen Haushalten der Ostschweiz findet man diese Stoff„reliquien“ noch heute.

 

Christiane Hoffmans: Und wie wird aus vielen einzelnen Tüchern eine riesige Picknickdecke?

 

Frank Riklin: Jedes Tuch wird auf ein Maß von 1,40 mal 1,40 Meter zugeschnitten. Davon werden immer vier zu einem sogenannten BIGNIK-Modul zusammengenäht. An den Ecken der Module werden Klettstreifen angenäht, damit sie am Tag der Auslegung zu einem großen Tuch verbunden werden können. Das alles machen viele Freiwillige, denn auch die Verarbeitung und das Nähen sind ein wichtiger Teil des BIGNIK-Prozesses. Wir stellen unter anderem Nähmaschinen dort auf, wo man keine Nähmaschine erwartet und das Nähen im Kontrast zum Alltag steht: zum Beispiel auf einer Verkehrsinsel, an einem Pannenstreifen oder am Bahnhof auf einem Gehsteig. An solch öffentlichen Orten kommen ständig Leute vorbei und fragen, was wir da machen. Das steigert die Dynamik von BIGNIK.

 

Christiane Hoffmans: Das ist doch alles enorm zeitaufwendig?

 

Patrik Riklin: Um schnell vorwärts zu kommen, muss man langsam gehen, so die These von Konfuzius. Die Emotion ist der Schlüssel zum Erfolg. Daher sind wir langsam unterwegs. Wir können Emotionen nicht optimieren. Für Technokraten geht diese Rechnung natürlich nicht auf. Sie bezeichnen es als Irrsinn, dass wir so viel Zeit für BIGNIK „verschwenden“. Für uns jedoch ist die neue Effizienz die Ineffizienz. Für ein einziges Tuch verbringen wir oft mehrere Stunden auf Dachböden. Aber genau das macht es aus. Das ist der Spirit von BIGNIK. Wir wollen BIGNIK gemeinsam mit den Menschen herstellen, wollen damit einen unaufhaltsamen Prozess auslösen. Ganz nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein. Dies erreichen wir nur über Emotionen und die jahrzehntelange Kontinuität. Das schafft Identität.

 

Christiane Hoffmans: Sie kommen den Menschen sehr nah.

 

Patrik Riklin: Privater geht es nicht. Jedes Tuch hat seine Geschichte, seine Biografie. Weil wir die Menschen mit unserer Vision so überfallen, erleben wir sie in unüblichen Situationen, und daraus entstehen besondere Gespräche. Wir wollen die Menschen erreichen und sie zu Komplizen machen. Uns interessiert der Mechanismus, wie man partizipative Prozesse initiiert, die nachhaltig sind und übliche Denkkonventionen sprengen. Es geht nicht um die Wurst im Picknickkorb.

 

Christiane Hoffmans: Was heißt „Denkkonventionen sprengen“?

 

Frank Riklin: Als Künstler haben wir Freiheiten wie in keinem anderen Beruf, da wir nicht in festgefügte Systeme eingebunden sind. Wir können Fantasien, Visionen, Utopien entwickeln, die auf den ersten Blick vielleicht verrückt erscheinen. Offenheit und Tabulosigkeit des Denkens sind in unserer heutigen Zeit besonders wichtig, denn es ist eine Binsenweisheit zu behaupten, dass die Gesellschaft für viele Fragen keine Lösungen mehr hat. Ein Blick in die Nachrichten genügt, um zu wissen, dass es fast überall brennt: Umwelt, Religion, Ideologien, Arbeit. Selbst die Wirtschaftsfachleute, die in der Vergangenheit selbstgewiss glaubten, sie seien der Motor gesellschaftlicher Entwicklung und hätten für alles eine marktgerechte Lösung, sind mit ihrem Latein am Ende. Wir unterwandern und hinterfragen bestehende Systeme, das ist unsere Vorgehensweise. Und mit diesen Fragen konfrontieren wir die Menschen. Einfach formuliert: Wir beackern die Gesellschaft.

 

Christiane Hoffmans: Was genau beackert BIGNIK?

 

Patrik Riklin: BIGNIK bearbeitet eine vermeintliche Utopie und ist pure Lust an der kollektiven Übertreibung, die an der Mentalität einer ganzen Region „meißelt“ und eingeschliffene Denk- und Handlungsgewohnheiten neu definiert. Was passiert, wenn die Grundidee von BIGNIK Tausende Leute aus der Region ansteckt? Was löst es aus, wenn eine Viertelmillion Tücher ausgelegt werden? Die Menschen sollen im wahrsten Sinne des Wortes am Unmöglichen mitspinnen, aus ihren gewohnten Strukturen ausbrechen, um sich selber zu überraschen. Nicht für Geld, wohlverstanden. Alles ist freiwillig. Aber es gibt auch viele praktische Dinge. So zum Beispiel müssen sich die Bauern überlegen, ob sie ihre Wiese für die Auslegung abtreten wollen. Wenn sie mitmachen, hat das direkte Konsequenzen. Die Kühe dürfen beispielsweise die entsprechenden Wiesen eine gewisse Zeit nicht mehr betreten. Zudem gehen die Bauern das Risiko ein, kurz vor der Auslegung die Wiese noch einmal extra mähen zu müssen. Ein weiterer Aspekt ist, dass das Tuch im Unterschied zu üblichen Erscheinungsformen von Großanlässen nicht verkommerzialisiert werden darf. Verkauf und Werbung auf dem Tuch sind nicht erlaubt. Auch darf das Tuch nicht für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Das Tuch, die Menschen und die Landschaft sind die alleinigen Hauptdarsteller.

 

Christiane Hoffmans: Das klingt missionarisch und ein bisschen nach einer Weltverbesserungsmission. Aber ist BIGNIK nicht in erster Linie ein großer Spaß?

 

Frank Riklin: Das ist das Subversive an unserer Arbeit. Vielleicht haben wir daher auch den Ruf, die „Spaßzwillinge“ zu sein. Der Zugang zu diesem Projekt ist niederschwellig, nicht verklärt oder erhöht, wie das sonst im Kunstbetrieb üblich ist. Wir haben uns vor Jahren aus dem ordentlichen Kunstbetrieb herausbewegt, um eine Kunst zu machen, die direkt in den Alltag eingreift und zu einem Teil der Gesellschaft wird. Wir nennen das „postmysteriöse Reflexionen“. Wir produzieren keine Rätsel, formulieren direkt heraus, was wir beabsichtigen. Unsere Kunst geht stets ein reales Verhältnis mit anderen Teilsystemen ein. Auf diese Weise schaffen wir nicht nur eine Unabhängigkeit vom klassischen Kunstzirkus, sondern provozieren außerdem Unsicherheit über Charakteristika unserer Profession. Wir eröffnen neue Wirkungsfelder.

 

Christiane Hoffmans: Wenn keine Rätsel mehr bleiben, ist BIGNIK dann überhaupt Kunst?

 

Patrik Riklin: Diese Frage stellen wir uns nicht. Und überhaupt: Wer sagt denn, was Kunst ist und ab wann? Als Konzeptkünstler interessiert uns die Transformation von Realitäten. Wir gehen aus von Themen, die gesellschaftliche Relevanz haben und versuchen, neue Wirklichkeiten zu schaffen. Eines unserer Schlüsselwerke etwa ist Das kleinste Gipfeltreffen der Welt (2004). Hierfür haben wir die Dorfpräsidenten der sechs kleinst-politischen Gemeinden Westeuropas auf einem kleinen Schweizer Berggipfel im Alpstein zusammengeführt – als Pendant zu den großen Gipfeltreffen wie beispielsweise G8. Bei unserem Treffen nahmen ein französischer maire, der gerade mal vier Einwohnerinnen und Einwohnern vorsteht, teil, ein Tessiner sindaco mit 19 Bürgerinnen und Bürgern im Rücken, und Bürgermeister aus Schleswig-Holstein oder Liechtenstein, die quasi als „Großmachtvertreter“ über mehr als 300 Leute regieren.

 

Christiane Hoffmans: Aber was genau ist an BIGNIK unkonventionell, sitzen nicht letztendlich auch wieder Gemeinschaften zusammen auf einer Decke, die sich kennen – Freunde, Nachbarn, Familie?

 

Frank Riklin: Das Unkonventionelle an BIGNIK ist, dass es kein service public ist, sondern ein „public Service“. Ohne Partizipation gibt es kein BIGNIK. Die Größe des Tuches, das jeweils ausgelegt wird, ist abhängig von der Anzahl Tuchlegerinnen und Tuchleger. Wer schlussendlich auf dem Tuch sitzt, ist rein zufällig. Die soziale Durchmischung ist ein Nebeneffekt des Konzepts. Es entstehen unübliche Gemeinschaften. Da sitzen Asylbewerber neben Politikern, Schulabbrecher neben Studenten, Arbeitslose neben Top-Verdienern – so etwas geschieht nicht jeden Tag.

 

Christiane Hoffmans: Hört an der Stelle der Spaß auf?

 

Frank Riklin: Spätestens dann wird realisiert: Die beiden sind gar keine Spaßvögel, die meinen es ernst. Unser Konzept wurde vom Vorstand der Region Appenzell AR – St. Gallen – Bodensee auch deshalb so schnell abgesegnet, weil es oberflächlich betrachtet harmlos aussieht. Aber schon nach dem ersten Jahr wollten einige der Verantwortlichen das Projekt beenden. Wahrscheinlich hatten sie erkannt, dass das BIGNIK weit über das Übliche hinausgeht. Doch wir wollten nicht aufhören. Auch die Menschen hatten Lust weiterzumachen. Man hat uns dann einen Teil der finanziellen Mittel gestrichen. Das hat uns nicht erschreckt, denn wir planen unsere Projekte immer so, dass wir auch ohne die Geldgeber weitermachen könnten. Jedes Hindernis ist ein Teil des Projekts.

 

Christiane Hoffmans: Bewegen Sie sich nicht dennoch auf einem schmalen Grad zwischen Marketing und Kunst? Schließlich wird BIGNIK von der Region Appen- zell AR – St. Gallen – Bodensee bezahlt.

 

Patrik Riklin: Man kann uns nicht kaufen. Wenn wir das Gefühl haben, es geht nicht um die Kunst, lehnen wir Angebote ab. Nur wenn wir eine konsequente Haltung zeigen, sind wir glaubwürdig. Wir nennen es Artonomie. Die Verschmelzung von Kunst und Wirtschaft, ohne dass die Kunst ihre Identität aufgibt und Kompromisse eingeht – fernab vom Dienstleistertum. Das Schöne ist, dass die Menschen, die sich auf unsere Projekte einlassen, irgendwann selber Lust bekommen, Unorthodoxes zu tun. Was wir machen, ist kein Marketing, sondern Macheting. Bei BIGNIK waren vermutlich der Druck durch die internationale Medienberichterstattung und die positiven Rückmeldungen so groß, dass die kritischen Stimmen verstummten. Jetzt sind wir schon im fünften Jahr.

 

Christiane Hoffmans: Was genau hat die Verantwortlichen an BIGNIK irritiert?

 

Frank Riklin: Ich glaube, dass die Partizipation so vieler Menschen Eindruck machte sowie die radikale Umsetzung und die extreme Breitenwirkung. Wir erreichen mit unserem Werk vielleicht mehr Menschen, als sie sich jemals erträumt hätten.

 

Christiane Hoffmans: Den Verantwortlichen ging es also um die Wurst.

 

Patrik Riklin: Einem Teil von ihnen ging es sicher nur um das Picknick. Doch BIGNIK ist kein herkömmlicher Event, sondern eine gesellschaftliche Intervention. Als sie sahen, mit welcher Konsequenz wir das Projekt durchziehen, war ihnen das nicht geheuer. Schon allein dadurch, dass das Picknick von Jahr zu Jahr größer wird, sprengen wir Konventionen. Wir gucken auch unter das Tuch, nicht bloß auf das Tuch. Mittlerweile haben die Verantwortlichen von BIGNIK das Potenzial der Langzeit-Strategie erkannt und ziehen größtenteils mit.

 

Christiane Hoffmans: Gibt es Grenzen von BIGNIK?

 

Frank Riklin: Nein. BIGNIK kennt keine Grenzen. Klar gibt es praktische Grenzen, doch die gilt es zu durchbrechen. Bei den vergangenen drei Auslegungen war es so, dass am Tag des Volkspicknicks gegen 9 Uhr rund 50 Menschen an den festgelegten Ort kamen, um die Tuchmodule auszulegen. Dieser Prozess lebt von einer starken Eigendynamik. Wir geben nur eine Startlinie, quasi eine Referenzlinie vor. Den Rest formt die Bevölkerung. Das Tuch entwickelt sich dann schnell in alle Himmelsrichtungen, es entsteht jedes Jahr eine neue Form. Das Tuch wird wie eine Flüssigkeit in die Landschaft gegossen. Alles, was vermeintlich im Wege ist, wird auf dem Tuch integriert. So zum Beispiel ein Haus, ein Baum oder eine Straße. Die Tücher-Module werden dann einfach um das Objekt herum platziert. Umso größer das Tuch wird, desto mehr wird BIGNIK mit Grenzen konfrontiert werden. Das beginnt beim Auslegemanöver. Irgendwann wird es gleichzeitig mehrere Referenzlinien geben müssen. Ab 500 Helferinnen und Helfern wird es schwierig, das Tuch nur von einer Referenzlinie auszulegen. Das Ganze hat etwas Chaotisches, Unberechenbares. Und das ist auch gut so. Das macht das außergewöhnliche Ereignis aus. BIGNIK muss beweglich bleiben, um den „Mächtigen“ ein Schnippchen zu schlagen. Das ist unsere subversive Strategie.

 

Christiane Hoffmans: Vieles an Ihrer Arbeit erinnert an Ideen, die Joseph Beuys hatte.

 

Patrik Riklin: Beuys wird immer wieder erwähnt, wenn es um unsere Kunst geht. Vor allem wegen seiner Idee der Sozialen Plastik. Er wollte, dass die Menschen eine kreative, gewaltlose Gemeinschaft formen. Sein Spruch „Jeder Mensch ist ein Künstler“ steht dafür. Wie Beuys glauben auch wir, dass jeder Mensch kreativ ist. Ein großer Teil wird durch die Erziehung, durch eine Konditionierung der Gesellschaft verschüttet. Die Menschen müssen wieder Anregungen bekommen und Zeit finden, Deformation aufzulösen. Dafür stehen unsere Projekte. Wenn die Menschen mehr Kreativität in ihr Leben lassen, dann kommt das der ganzen Gesellschaft zugute. Um diese Transformation geht es. Spielen im Alltag wie früher im Sandhaufen – als „erwachsene Kinder“.

 

Christiane Hoffmans: Wie haben Sie sich vor Ihrer eigenen „gesellschaftlichen Deformation“ bewahren können?

 

Frank Riklin: Das Ganze begann im Wald. Über elf Jahre lang haben wir in der Nähe unseres Elternhauses im St. Galler Staatswald ständig Hütten gebaut. Diese Hüttenbauerei war quasi unsere erste „Sonderaufgabe“. Wir hatten große Pläne, die den Rahmen einer kleinen Hütte schnell sprengten. Eigentlich waren es Häuser. Mit 18 war dann plötzlich Schluss, weil die Baupolizei uns einen Strich durch die Rechnung machte. Das war eine Grenzerfahrung. Ein Schock zugleich. Diese Erfahrung gab uns den Kick, uns selbst zu erfinden und uns vor dem Pragmatismus des Alltags zu schützen. Das Kunststudium verhinderte, dass wir uns zum gesellschaftlichen Anpassertum deformierten.

 

Christiane Hoffmans: Auf wie viele Jahre haben Sie BIGNIK angelegt?

 

Patrik Riklin: Bis 2027 sollen 50 Prozent der geplanten Fläche erreicht sein. Die Fertigstellung unserer Vision wird voraussichtlich 2043 erfolgen. Damit ist BIGNIK aber nicht zu Ende. Dieses Kunstwerk wird uns überleben. Die Tücher wird man nicht einfach entsorgen können. Die sind wertvoll, weil sie aufgeladen sind mit Geschichten und Gebrauchsspuren. Ein Artefakt sozusagen. Der Kanton St. Gallen kommt sehr wahrscheinlich nicht darum herum, das Tuch irgendwann zum kulturellen Kapital der Region zu erklären.